Aktuelles

Ein paar Gedanken zu meiner aktuellen Arbeit

Zwischen Chaos und Ordnung

Meine Arbeit an den gewebten Objekten ist seit nunmehr gut zwei Jahren das Medium, welches mich am meisten beschäftigt.
Hier bewege ich mich sehr konkret zwischen Chaos und Ordnung und dem steten Entstehen und Vergehen von Verdichtung und Auflösung. Über das Weben, Flechten und Umwickeln, verbinde ich etwas mehr oder minder dicht und fest miteinander und lege zugleich schon wieder die Auflösung der entstehenden Formen mit an. Ich werde dabei sehr unmittelbar und konkret herausgefordert von einem zunächst völlig ungeordneten Materialhaufen – einem Haufen Nichts mit dem Potential für Alles. Mittels der textilen Verbindungstechniken stelle ich Ordnung und Zusammenhalt her und erfreue mich an den entstehenden regelhaften Verbindungsmustern und einer sich verdichtenden und nach außen hin abgrenzenden Form. Aus dem Chaos heraus entstehen amorphe und morphe Gestalten unbestimmter Art. Unordentliche und weniger dichte sowie über die Form hinausreichende Tentakeln sind Verweise auf das Passagere allen Seins.

In stetem Werden und Vergehen

Warum Weben, Flechten, Knüpfen?

Weben, Flechten, Knüpfen, Stricken, Sticken, Häkeln, Nähen, zusammengefasst als ‚Handarbeit‘, in meiner Generation das Schulfach für die Mädchen. Und noch ein bischen weiter in die Vergangenheit gereist, waren das Fertigkeiten die die Frau, egal welchen Standes, als eine gute Hausfrau und/oder sittsame Gattin auszeichneten.
Die künstlerische Arbeit mit Textilien, Fäden, Fasern und Stoffen bildet eine eigenständige Kunstrichtung, die ‚fibrearts‘. In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts emanzipierten Künstlerinnen diese Handarbeitstechniken, indem sie für ihre Kunst textiltechniche Verfahren einsetzten um nichtfunktionale, rein ästhetische und konzeptionelle Werke zu schaffen. Als eine Pionierin für diese künstlerische Emanzipationsbewegung ist wohl zuvorderstJudy Chicago mit ihrer ‚Dinnerparty‘ zu nennen. Schon lange vorher haben die Bauhausfrauen gezeigt, wie gewebte Kunst aussehen kann. Weitere zeitgenössische Künstlerinnen sind Sheila Hicks oder Cecilia Vicunia.

Auch mir liegt es ganz nahe meine „Handarbeitsfertigkeiten“ in meiner Kunst anzuwenden. So setze ich die typischen Verbindungsstrukturen des Webens als ordnendes und verbindendes Mittel ein. Meine Fasern sind selbst hergestellte bemalte Papierstreifen, Papierbast und mit eben diesem Bast umwickelte Drahtschnüre.